Samstag, 17. Januar 2015

Veganes Mett


Im Internet findet man die verrücktesten Dinge. Einen Oreokeksdipper, edele Handyhüllen oder schottische Melkschemel. Auch im Bereich des veganen Essens gibt es das eine oder andere verrückte Produkt. Vegane Entenbrust, Vleischsalate (also vegane Fleischsalate) oder veganes Fischfilet. Einige der veganen Imitate habe ich ja auch schon ausprobiert. Eigentlich ist alles einfach nur schlecht. Wurstimitate sind besonders schlimm. Das kauft jeder nur ein mal und dann nie wieder. Nicht nur das sie geschmacklich nicht einmal annähernd an echte Wurst erinnern, sie bestehen auch noch aus einem Berg an Zutaten von denen ich noch nie was gehört habe. Spannend finde ich auch den veganen Käse. Im Laden und auch im Internet zu einem Preis zu haben der weit über dem liegt was man für echten Käse bezahlen würde. Ich erinnere mich noch, das vor ein paar Jahren alle aufgeschriehen haben als herausgekommen ist das auf einigen Pizzen mit Analogkäse, also künstlich hergestelltem Käse, belegt waren. Der Grund ist klar. Kostenersparnis. Schnittfestes Öl ist einfach billiger als echter Käse für den man Milch, Lab und Zeit für die Lagerung benötigt. Vegan, egal auf welchem Produkt, ist also nicht nur ein Garant für fleischfrei, sondern auch für teuer. So ist die Welt. Eigentlich wollte ich aber auf etwas anderes heraus. Heute bin ich im Internet auf eines der verrücktesten veganen Rezepte gestoßen welches versucht ein eigentlich auf Fleisch bestehendes Produkt zu imitieren.Veganes Mett. Mal ehrlich. Vegan hin oder her. Aber Mett ist Mett. Das kann man doch nicht einfach durch Tomatenmark und Reiswaffeln ersetzen. Ich verzichte ja gerne mal auf eine Schnitzel. Aber wenn es Mett geben soll dann bitte echtes Mett. Mit echten Zwiebeln aus echtem Schwein.

Heute war ein besonders magerer Tag. Mittag hatte ich keins mit uns somit gab es heute ein paar Mohrrüben und zwei scheiben Knäcke. Das Abendbrot musste es heute also rausreißen. Da ich mir was wünschen konnte gab es "Chilli sin Carne". Chilli ist eins der Gerichte die immer gehen. Das Rezept ist eher eine freie Interpretation. Also sind hier die Angaben als Orientierung zu verstehen. Wer was ändern will soll bitte tun.

  • 1 Zwiebel
  • 1 Stange Lauch
  • 3 Möhren
  • 1 Dose Kindneybohnen
  • 2 Dosen Tomaten Stückig
  • 75g Sojageschnezeltes oder Sojagranulat
  • Gemüsebrühe
  • 40g Tomatenmark
  • Thymian
  • Chilischote
  • Salz und Pfeffer
Sojageschnezeltes nach der Beschreibung auf der Packung in Gemüsebrühe einweichen. Zwiebeln kleinschneiden und glasig braten. Dann das Geschnetzelte, die Möhren, Chilischoten und den Lauch dazu geben. Wenn das Geschnezelte gut gebräunt ist Tomaten und Kidneybohnen dazu geben. Mit etwas Gemüsebrühe nach Bedarf auffüllen und Tomatanmark dazugeben. Mit Thymian, Salz und Pfeffer nachwürzen und warten bis die Möhren durch sind. Dann ist das Chilli fertig. und sieht in meiner Variante so aus

Donnerstag, 15. Januar 2015

Ganz großes Kino

Normalerweise schließe ich gegen 23 Uhr den Blog, heute mache ich ihn jetzt erst auf. Die Erklärung ist ganz einfach. Wir waren im Kino und haben uns einer der größten Aufgaben gestellt die man während der veganen Zeit gestellt bekommen kann. Am Popcorn und Colastand vorbeigehen ohne sich was zu kaufen. Für mich gehören Popcorn und Kino zusammen wie naja wie Kino und Popcorn halt. Doch wir waren auf diese Herausforderung gut vorbereitet. Es gibt in ausgewählten Supermärkten Tacos die nur Maismehl, Öl und Salz enthalten. Die sind gewiss nicht dazu geeignet rank und schlank zu werden, aber sie schmecken und entsprechen den Regeln. Cola wurde durch Wasser ersetzt das es natürlich nicht im Kino. Ein schlechter Ersatz aber besser als gar nichts. So konnten wir also gut ausgerüstet "Honig im Kopf" schauen. So skeptisch wie ich in diesen Film ging so begeistert bin ich wieder herausgekommen. Ein wirklich ergreifender Film.
Im Büro wurde ich heute auch noch vor eine andere Herausforderung gestellt. Auf Grund des Geburtstags eines Kollegen hat dieser heute einen riesigen Berg an Süßkram mitgebracht.


Auch wenn es mir schwer viel, ich bin hart geblieben. Eine unbeschreiblicher Akt der Selbstbeherrschung. Zum Abendbrot gab es Brokkolicremesuppe mit Kartoffeleinlage. Die ist besonders schnell gemacht, was auch notwendig war da der Zeitplan heute kein großes Abendbrot hergab. Einfach Brokkoli kleinschneiden, in Gemüsebrühe kochen (ungefähr so viel das der kleingeschnittene Brokkoli grade so bedeckt ist) und, wenn der Brokkoli durch ist, zusammen mit Sojasahne, oder einem anderen Sahneersatz, pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eine große Kartoffel in kleine Würfel schneiden (ca. einen halben cm) und im Ofen garen bis sie goldgelb sind. Immer mal umdrehen und vorher mit etwas Öl beträufeln, das hilft. Dann Suppe auffüllen und die Kartoffelstückchen auf die Suppe geben. Im Gutfall schwimmen die Kartoffelstückchen oben und geben eine gute Deko ab. Im Schlechtfall sieht es aus wie bei uns. Schmeckt aber, und geht halt sehr schnell.


Mittwoch, 14. Januar 2015

Speed durch Mütze

Petrus hat sich geschlagen gegeben, wenigstens für heute. Kein Regen heißt keine Ausrede. Also rein in die Laufsachen und los. Wenn man mal ehrlich ist ein doofer Sport. Einzige Aufgabe ist einen Schritt vor den anderen zu machen. Wer einen gewissen Anspruch an sich selber hat der kann das Ganze in einem gewissen Tempo machen. Das war es dann aber auch schon. Dafür kann man Schuhe kaufen die mehrere hundert Euro kosten, Jacken, Hosen, Unterwäsche, Mützen und viele technische Spielereien. Ich mag am liebsten die Mützen. Angepriesen mit aerodynamischer Form und besonderer Schuppenbeschichtung aus Dyftepolyigendwass für ein noch besseres Laufergebnis. Mit so einer Mütze für läppische 89€ ist man nur durch das Aussetzen schon 10 km/h schneller. Werbeversprechen sind schon was tolles. Ich selber habe mir neben preiswerten Laufschuhen einen Pulsgurt angeschafft. Der wird ans Handy gekoppelt und das  nimmt dann Laufstrecke und den Puls auf. Ich habe festgestellt das ich bei einem Puls von 200 genau mein Lauftempo gefunden habe. Schön ist auch das ich dafür nur 50m laufen muss. Im Internet kann man sich dann seine Erfolge anzeigen lassen. Sogar mit Freunden vergleichen. Das lasse ich aber mal lieber. Zu deprimierend. Jedenfalls habe ich mich heute in Schale geworfen und meinen ersten Lauf in der veganen Zeit absolviert. Damit ich mich nicht verausgabe habe ich mal ruhig angefangen. 7 km sind zusammengekommen. Einmal rund ums Nachbargetto. Ich bin zufrieden. Am meisten darüber das ich überhaupt los war und nicht an einem Herzkasper in Lütten Klein zusammengebrochen bin. Ich will mir gar nicht vorstellen wie ein Manfred, gerade auf der Keipe nebenan rausgeworfen weil er auf den Billardtisch gekotzt hat, auf Gedeih und Verderb versucht mich wiederzubeleben anstatt einen Krankenwagen zu rufen. Wobei er sich natürlich mehr auf die Beatmung als auf die Herzdruckmassage konzentriert. Allein deswegen habe ich mich von den viel genutzten Wegen fern gehalten, und von Kneipen. Mit dem Essen war das heute mehr Resteverwertung. Mittags gab es nochmal meine selbsterdachten Knäckebote mit Tomaten- und Gurkenscheiben dazu Kresse als Garnitur. Angesprochen von Kollegen auf mein Mittag, und hier speziell auch die Kresse, habe ich mich daran erinnert, dass ich mal bei eine Intrige gegen einen Mitbewohner dabei war. Jedenfalls bei der Planungsphase. Meine Idee war Kressesamen auf dem Teppich verteilen und mit einen Pflanzenbestäuber anfeuchten. Ich konnte mir den entstehenden grünen und schmackhaften Teppich gut vorstellen. Mein Vorschlag wurde leider nicht angenommen, aber er war bis zum Ende in der Rubrik "mögliche Kandidaten". Ein paar gute Racheideen sind hier zusammengetragen. Nicht gerade optisch ansprechend die Seite aber der Inhalt macht es. Zum Abendbrot haben wir die Dinkelcannelloni und dazu noch etwas Salat gegessen. Somit habe ich heute leider kein Rezept für euch. Wir halten fest, noch 57 Tage und der Rest von heute.


Dienstag, 13. Januar 2015

Nun gibt es Rezepte

Heute hat mein Handy mich gefoppt. Trotz eingestellten Wecker meinte er heute mal 20 Minuten später zu klingeln. Warum ist mir vollkommen unklar. Wecker war richtig eingestellt und an. Ich denke er wollte auch mal ausschlafen. Wahrscheinlich stresst ihn das vegane Leben mehr als mich. Somit ist heute alles ein bisschen schneller über die Bühne gelaufen als sonst. Müsli war glücklicherweise schon am Vortag von meiner Frau vorbereitet. Tolle Sache, so konnte ich mich gleich an den gedeckten Tisch setzen. Nagut, der Apfel fehlte noch, aber mit einem scharfem Messer und einem geübten Schnitt nicht unbedingt ein unlösbares Problem. Ein Blick nach draußen hat mir verraten das es immer noch Regnet. Schon seit Tagen das gleiche. Als wenn Petrus höchst persönlich mich wegen meines veganen Lebens bedauern würde. Also, frisch gestärkt und mit den Resten von der Erbsen-Mandelcreme-Suppe mit Walnuss-Minz-Pesto unterm Arm ging es in meinen zweiten veganen Tag. Ich werde mich auch dieses Jahr nicht hinreißen lassen meinen Arbeitsalltag zu beschreiben. Ist im großen und ganzen auch nicht spannend. Computer, Schreibtisch, Tee und Kollegen. Doch währen ich mein Mittag esse belese ich mich ein bisschen zum Thema Urheberrecht. Siehe da, ich kann wohl schon etwas mehr über die Rezepte schreiben als nur den Namen. Deswegen bekommt ihr nun zu jedem Essen auch eine kleine Inhaltsangabe. Das ganze soll hier natürlich kein Kochbuch werden, doch um einen Überblick zu gewinnen reicht es bestimmt.

Die Suppe gestern war nicht nur grün, sie enthielt auch fast ausschließlich grüne Zutaten.

  • 2 Zwiebeln
  • 3 EL Olivenöl
  • 630 g Wasser
  • 300 g TK-Erbsen
  • 60 g Mandelmus weiß
  • 2 TL Salz
  • Pfeffer

Die Suppe ist auch schnell gemacht. Zwiebeln, rote natürlich denn mit roten Zwiebeln schmeckt alles besser, klein schneiden und im Öl anbraten. Hier nicht den Fehler machen und warten bis es Röstzwiebeln sind. Dann Wasser, Salz und TK Erbsen rein. Wenn die Erbsen weich sind das ganze Pürieren. Dann mit Pfeffer und Salz würzen. Wer mag kann auch etwas frische Chili mit dazu geben. Aber in unserem Haushalt gibt es bei dem Thema schärfe immer mal wieder verschiedene Ansichten. Deswegen vorher das ganze Abstimmen.

In die Suppe kommt natürlich noch eine Einlage. Die besteht aus

  • 40 g glatte Petersilie
  • 10 g Minzblätter
  • 120 g Walnusskerne
  • 100 g Walnussöl
  • 2 EL Zitronensaft
  • 1 TL Salz
  • Pfeffer
Gemacht ist die Einlage so einfach wie die Suppe. Walnüsse in der Pfanne rösten und dann zusammen mit dem Öl, dem Zitronensaft, den Minzblättern, Salz und der Petersilie pürieren. Fertig. Suppe auf den Teller und Einlage rein. Rauskommen sollte dann ein Gericht wie auf dem Bild gestern. 5/5 Punkte. Wenn hier jemand eine Idee hat wie ich die Bewertung optisch ansprechender bekomme immer her damit.

Heute Abend gab es natürlich auch was mit dem schönen Namen "Don Cannelloni mit Basilikum". Die machen zwar mehr Arbeit als die Suppe ist aber immer noch im Bereich des machbaren. Kurz zu den Zutaten:

Cannelloni
  • 250 Gramm Mehl
  • 100 ml Wasser
Füllung
  • 600 Gramm Tofu
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 Bund Basilikum
  • 50 ml Olivenöl
  • 50 Gramm Pinienkerne
  • 2 gestr. TL Salz
  • 8 EL Sojasahne
  • Schwarzer Pfeffer
Tomatensauce
  • 400 ml passierte Tomaten
  • 1 EL Olivenöl
  • Salz
  • Schwarzer Pfeffer

Cannelloni sind eigentlich nur Teigfladen die um die Füllung gerollte wird. Mehl, natürlich kein Weizenmehl sondern, wie in unserem Fall, Dinkelmehl und Wasser mischen. Den Teig in kleine Stücke zerteilen und diese dann ausrollen. Sie sollten so groß sein das sie sich um die Füllung wickeln lassen.

Tofu mit einer Gabel zerdrücken und anbraten. Später noch Zwiebeln plus Knoblauch in der Pfanne geben. Nebenbei die Pinienkernen rösten. Wer richtig gut ist macht das in einer Pfanne. Ich kann das nicht und mache dann immer nur schwarze Pinienkerne. Die schmecken nicht und sind ungesund weswegen ich immer eine extra Pfanne nehme. Fertig. Nur noch den gehackten Basilikum, Sojasahne, Öl unterheben. Die Soße die ja eigentlich nur aus passierte Tomate besteht kurz mit Salz und Pfeffer versehen probieren und dann über die gefüllten Cannelloni gießen. Alles für 20 Minuten bei 200 Grad in den Ofen und auf den Teller. Sieht dann ungefähr so aus.


Ok, das Bild zeigt eindeutig das die Cannelloni es nicht in ihrer vollen Pracht aus der Auflaufform auf den Teller geschafft haben. Vielleicht werde ich nächstes Jahr mal die Optik bewerten. Dann würden das Gericht von heute eher schlecht abschneiden. Hier zählt aber nur ob es schmeckt und ob ich satt werde und das wurde beides erfüllt. Aus den Zutaten wurden 6 große Cannelloni. Zwei hat jeder gegessen und zwei sind somit noch für morgen übrig. Die Tomatensoße, also die passierte Tomate mit Sojasahne, hat mich so ein bisschen an die Soße erinnert die ich immer zum ostdeutschen Jägerschnitzel bekommen habe. Hmmmm, Jägerschnitzel. Ok, bleiben wir vegan. Das Essen bekommt 4/5 Punkte. Die Füllung ist super, die Cannelloni  hatten aber nichts von echten Cannelloni, es war halt mal was anderes.

Tja das war es mit dem Essen für heute. Meiner Sportaufgabe bin ich heute mal wieder nicht nachgekommen. Ich habe mir heute mal den Regen als Ausrede gesucht. Zugegeben wenn man richtig motiviert gewesen wäre hätte man schon mal vor die Tür gehen können, aber wer ist schon richtig motiviert. Morgen Versuch Nummer 3.

Montag, 12. Januar 2015

Was man nicht alles tut

So der erste Tag ist geschafft. Jedenfalls was das Essen angeht. Ich habe ja noch die Nebenbedingungen die zwar nicht zum Bestehen der Veganchallenge notwendig sind aber halt mit im Buch veranschlagt wurden. Genau handelt es sie hier um zwei Punkte die für die nächsten 59 Tage (jawohl nur noch 59 Tage) mein Leben bereichern sollen. Der erste Punkt stand eigentlich schon letztes Jahr auf dem Programm, doch er wurde von mir erfolgreich ignoriert. Damit mir das dieses mal nicht wieder passiert versuche ich es mit einem Plan. Mindestens 2 mal die Woche wird Sport gemacht, genauer gesagt es wird laufen gegangen. Nach meiner veganen Zeit habe ich mich doch das eine oder andere mal vor die Tür gewagt und bin eine Runde gelaufen. Aus der unsportlichen Kugel die ich letztes Jahr um diese Zeit gewesen bin ist nun ein motivierter ... ach quatsch. Motiviert bin ich nicht. Auch sportlich ist anders. Aber ohne Druck passiert auch nicht viel. Somit soll meine vegane Zeit als Beginn einer Läuferkariere dienen. In meinem Wahn habe ich mir also nicht nur das Ziel gesetzt regelmäßig laufen zu gehen sondern habe mich auch gleich noch beim Darß Marathon in der Rubrik "Halbmarathon" angemeldet. Meine Frau konnte mich unter mühen davon abbringen gleich den Marathon zu laufen. Ich werde das morgen wahrscheinlich wieder bereuen aber ich habe es trotzdem getan. Für alle die mich leiden sehen wollen. Am 26.4. 10:00 um 10 Uhr in Wieck. Zu jedem guten Läufer gehört auch eine gute Ausrede die ich auch gleich anbringen möchte. Diese Woche wird das schwer mit Laufen was mir natürlich in der Seele whe tut. Jeden Tag Sturm und Regen. Da ich nicht weg fliegen oder nass werden will wird das wohl nichts mit dem Training. Schade aber auch.

Als zweites hat sich der Herr Attila was schönes aus der Esoterikecke ausgedacht. Meditation, oder aber die langweiligste Möglichkeit sich zu Langweilen. Und das soll nun jeden Tag zu zu meinem Leben gehören? Ich habe ehrlich gesagt noch keine Ahnung wie ich das durchhalten soll. 15 Minuten nichts tun und gemütlich vor sich hin starren liegt mir glaube ich nicht. Auch wenn ich davon aus gehe das ich nach spätestens einer Woche Herrn Attila eine Rechnung über die sinnlos verwendete Lebenszeit schreibe, werde ich mich dem ganzen stellen.

Somit sind die Rahmenbedingungen für die nächsten 8 Wochen festgelegt. Um noch einen messbaren Effekt zu haben hieß es gestern schon Kontakt mit der Waage aufnehmen. Mein Gewicht wird hier nicht verraten aber mit einem BMI von 26,6 bin ich übergewichtig, und in guter Gesellschaft. 44,4% aller deutschen Männer haben einen BMI von 25-30.

Aber gut. Zu dem was an der Challenge am interessantesten ist. Was gab es zu essen. Zum Frühstück natürlich Müsli. Unspektakulär, langweilig aber wirkungsvoll. Ich werde mir die Tage bestimmt noch die Zeit nehmen ein paar philosophische Worte zu und über meinen Müsli zu schreiben. Aktuell muss reichen das es aus gesunden Zutaten gemischt mit Sojajoghurt beseht und keine Fruit Loops enthält.

Zum Mittag hat mich leider die Tatsache kalt erwischt das ja kein Weizenmehl konsumiert werden darf. Plan war es im Supermarkt Brot und Gemüse zu kaufen, das Ganze zu belegen und dann zu essen. In Supermarkt gibt es von Milchbrötchen über Franzbrötchen bis hin zu Roggenvollkornbrötchen alles. Doch wenn man sich die Zutaten genauer ansieht muss man feststellen das jedes einzelne Produkt Weizenmehl enthält. Im ganzen Backregal, immerhin gut 40 verschiedene Sorten Backwaren, gab es nur ein einziges ohne Weizenmehl. Leider war es ein ungeschnittenes, abgepacktes Brot was ich auf Arbeit, mangels eines Messers das länger ist als mein kleiner Zeh, nicht schneiden kann. Ich bin mehr durch Zufall über die Knäckebrotregal gestolpert und habe dort ein Knäcke gefunden welchen nur aus Roggen,Salz und Hefe besteht. Das zusammen mit Tomate, Kresse und Gurke gab mein Mittag.


Ob es nun eine halbe Stunde suchen im Rewe wert ist weiß ich nicht aber geschmeckt hat es besser als nichts. Dabei war ich noch besser dran als meine Frau. Die hat auch nicht ans Mittag gedacht und musste deswegen hungern. Denn da gab es keinen Supermarkt der entsprechende Möglichkeiten bot.

Zum Abendbrot gab es "Erbsen-Mandelcreme-Suppe mit Walnuss-Minz-Pesto". Ich gebe zu die war uns beiden nicht neu sondern ist positiv in Erinnerung geblieben. Wir wollen mal den ersten Tag nicht gleich mit einer Enttäuschung beginnen. Ein klasse Gericht was nicht nur einfach gemacht ist sondern auch noch lecker schmeckt. Zwiebeln, Olivenöl, TK Erbsen, Mandelmus, Salz ,Pfeffer und Wasser zusammen als Suppe durch pürieren. Das Pesto ist ähnlich schnell gemacht. Walnüsse rösten und mit Petersilie, Minze, Zitronensaft und Walnussöl zu einem Peso mixen. Fertig. Das ganze sieht dann nicht nur lecker aus sondern schmeckt auch noch.


Ich würde auch gerne etwas genauer das Rezept angeben, will aber auch nicht die vegane Küche in der JVA Waldeck ausprobieren. Deswegen belasse ich es vorläufig dabei und freue mich nun auf meine erste Runde Meditation.

Sonntag, 11. Januar 2015

Regeln müssen sein

Nach vielem hin und her haben wir die Regeln für das Experiment „60 Tage vegan“ festgelegt, das übrigens vom 12.1.2015 bis zum 13.3.2015 gehen wird. Als erste und wichtigste Regel steht die folgende:
Du sollst in den nächsten 60 Tagen keine tierischen Produkte zu dir nehmen
Der Eine oder Andere denkt sich wahrscheinlich das diese Regel überflüssig zu erwähnen ist. Aber sie hat ihre Bewandtnis da sie festhält, dass die vegane Zeit sich ausschließlich auf das Essen bezieht. Wer ein richtiger Veganer sein will, lebt auch vegan. Und vegan leben bedeutet noch einiges mehr als nur sich vegan zu ernähren. Triviales Beispiel ist mein Gürtel. Er sorgt nicht nur dafür das meine Hose sich perfekt an meinem Bauch anschmiegt und nicht in einem ungünstigen Moment in die Kniekehlen rutscht, sondern er ist auch aus Leder. Das bedeutet das für einen Gürtel ein armes Gürteltier, in meinem Fall ein Schwein, nicht nur sterben musste, sondern ihm auch die Haut vom Leibe gerissen, in Urin eingelegt wurde. Für einen echten Veganer inakzeptabel. Auch mein Pullover aus Angorawolle, meine Bettwäsche aus Seide, mein Pelzmantel aus Nerzfell, mein Daunenbett und meine Schafwollmütze wären Tabu. Über die Vielzahl an Lacklederklamotten im Schlafzimmer denke ich mal lieber gar nicht erst nach. Außerdem müsste ich mich wahrscheinlich zu Fuß zur Arbeit bewegen da ich fürchte mein Lenkrad hat einen echten Lederüberzug und mein Fahrrad einen Ledersitz. Mit all diesen Einschränkungen, dehnen ich zum Glück nicht unterworfen werde, scheint einem die Veganchallenge doch gar nicht mehr so schlimm vorzukommen.

Die zweite Regel hat mich letztes mal an den Rand der Verzweiflung getrieben.
Du sollst keinen unnötigen Zucker essen
Ein kalter Schauer überkommt mich noch jetzt, wenn ich daran denke wie ich mich die erste Woche gefühlt habe. Zucker ist in fast jedem Supermarktprodukt und macht süchtig. Die beiden K (Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten) werden in der ersten Woche wohl mein ständiger Begleiter sein. Das schlimme daran ist das es die einzige Regel ist die ich als Sinnvoll erachte. Jeder der mal versucht hat auch nur eine Woche ohne zusätzlichen Zucker zu leben wird das Nachvollziehen können. Es zeigt einem wie abhängig man doch von einem so unscheinbaren Suchtmittel ist.

Die dritte Regel ist glücklicherweise nicht nicht so dramatisch umzusetzen
Du sollst keine Suchtmittel zu dir nehmen
Um das Ganze noch etwas zu konkretisieren. Gemeint sind Alkohol, Zigaretten und Kaffee. Nichts davon wird mir wirklich schwer fallen. Alkohol trinke ich normalerweise nur in Gesellschaft. Da diese sich in den nächsten 60 Tagen von mir fern halten wird besteht somit eigentlich keine Gefahr auf einer wilden Party doch weich zu werden. Da Zigaretten und Alkohol zusammengehören wie RTL2 und zweitklassige Flugzeugkatastrophenfilme, sehe ich an dieser Stelle auch keine Gefahr. Soziale Ausgrenzung = kein Alkoholgenuss = kein Rauchwarenkonsum.
Für alle die noch versuchen sich vorzustellen wie ein Leben ohne Kaffee aussehen könnte, dürfen das an mir gerne beobachten. Letztes Jahr habe ich einen kalten Entzug durchgemacht. Von ca. 1 Liter türkisch Kaffee am Tag hin zu 1,5 Liter Tee. Nach 30 Tagen war das Wort Pause nicht mehr untrennbar mit dem Wort Kaffee verbunden was dazu geführt hat das ich auch nicht wieder mit der Droge Kaffee angefangen habe. Somit ist diese Regel für mich keine Herausforderung. Bei meiner Frau sieht das ganze aber schon etwas anders aus. Auch wenn sie letztes mal tapfer 30 Tage ohne Kaffee durchgehalten hat, war es das Erste was sie nach den 30 Tagen haben wollte. Dieser riesige dampfende Pott Kaffee hat sie so glücklich gemacht, dass ich mich seit dem Frage ob es zum Hochzeitstag nicht einfacher wäre sie in eine Kaffeerösterei einzuladen als in ein Restaurant. Diese Regel wurde bei uns dementsprechend heiß diskutiert. Es wurde festgehalten das Kaffee für meine Frau kein Suchtmittel sondern ein Genussmittel ist. Da Attila ja möchte das wir die nächsten 60 Tage genießen ist Kaffee also für sie legitim. Ich sehe das Ganze anders. Kaffee ist für mich dementsprechend Tabu. Ich könnte jetzt etwas über Inkonsequenz schreiben. Da meine nächsten 60 Tage aber auch viel von der Vorbereitung meiner Frau abhängen tue ich das natürlich nicht sondern hoffe nur das ihr der Kaffee in den bevorstehenden 60 veganen Tagen  Schluck ein Lächeln auf die Lippen zaubern wird. Kopi Luwak ist aber Tabu.

Die vierte Regel lautet
Du sollst kein Weißmehl konsumieren
Eine bescheuerte Regel da sie das vegane Leben um einiges schwerer macht. 95% alle Backwaren beim Bäcker sind damit gestrichen und die restlichen 5% enthalten mehr Zucker als ein Glas Nutella. Auch Nudeln sind somit größtenteils tabu. Ich mag die Regel nicht das sie in die Low Carb Ecke zu stecken ist und nur darauf abzielt das ich in der Zeit auch Gewicht verliere. Der Effekt lässt vegane Ernährung als besondern kalorienarm erscheinen was sie aber nicht zwingend ist. Aber ich werde mich fügen.

Das waren die grundlegenden Ernährungsregeln die so eigentlich auch schon letztes mal als Basis dienten. Jeder Verstoß gegen die Regeln wird mit 3 Tagen Verlängerung bestraft. Letztes mal haben wir beide unabhängig von einander am selben Tag gesündigt und uns diese 3 Tage eingefangen. Interessanterweise beide bei der Zuckerregel da wir im Auto unbewusst in die Fisherman ́s Friend Packung gegriffen haben. Das erinnert mich daran den Naschkram aus dem Auto zu werfen damit uns das bei diesem Mal nicht wieder passiert. Es gibt noch zwei Nebenbedingungen. Wir haben auch über diese lange diskutiert, aber entscheiden das ein Zwang hier kontraproduktiv ist. Somit werden diese Bedingungen von jedem so gehandhabt wie er es für richtig hält. Doch dazu morgen mehr.

Alles in allem wird es eine anstrengende und kochintensive Zeit. Doch in allem sollte man etwas positives sehen. Mir wurde heute zum Beispiel von meiner Schwiegermutter Kassler zum Mittag und Käse-Hack-Lauchsuppe zum Abendessen gemacht. Ein wirklich leckere Henkersmahlzeit und das wahrscheinlich letzte Mal für die nächsten 60 Tage das ein Schwein meinen Körper von innen sehen durfte.


Samstag, 10. Januar 2015

Ich glaub es geht schon wieder Los!

Ein Jahr ist vorbei und ich stehe schon wieder vor einem Problem. Meine Frau hatte kurz vor Weihnachten die wirre Idee das Experiment "Vegan Leben" wieder aufleben zu lassen. "Warum nur?" dachte ich. War es nicht schon letztes Jahr anstrengend genug? Ich erinnere mich an Berge von Abwasch, Stunden im Supermarkt und noch länger vor dem Herd. Und nun schon wieder 30 Tage? Nach meinem ersten Schock versuchte ich die guten Seiten herauszukramen. Was war schön an den 30 Tagen  letztes Jahr? Als erstes fällt mir da das viele neue Essen ein das ich kennengelernt habe. Auch wenn nicht alles meinen Geschmack getroffen hat, hier erinnere ich mich noch mit grausen an den Amarant, waren doch viele Zutaten und Zubereitungen dabei die einem mal gezeigt haben das es noch etwas anderes als Schweinebraten, Rumpsteak und Broiler gibt. Ja, ein paar Kilo habe ich in der Zeit auch verloren, was zum Nachteil hatte das ich teilweise neue Klamotten brauchte. Auch wenn hier jede Frau nun feuchte Augen bekommt bei dem Gedanken Stunden durch jeden Klamottenladen von hier bis nach Berlin zu ziehen, um etwas neues, passendes in der richtigen Farbe mit einem modischen Schnitt zu bekommen, mich Stresst das nur. Zum Glück gibt es Gürtel die die Hose halten auch wenn der Bauch etwas weniger wird. Zur Not gibt es ja noch Hosenträger. Die sind zwar aus der Mode, aber bei Klamotten heißt es ja immer das jede Mode wiederkommt. Vegan leben hieß letztes Jahr auch, Inhaltsangaben lesen. Das hatte ich vorher nie gemacht. Es ist schon spannend zu lesen was sich so alles in vorgefertigten Lebensmitteln befindet. Insgesamt 316 Zusatzstoffe sind in der EU aktuell zugelassen und können in jedem vorgefertigten Lebensmittel enthalten sein. Ich erinnere mich gerade mit grausen daran das ich mit einer Packung veganer Schlagsahne schon gut die Hälfte der zugelassenen Zusatzstoffen zu mir genommen habe.
Gut die Sahne ist Vegan, Halal und Koscher, aber Gesund ist sie bestimmt nicht. Auch etwas das ich in den 30 Tagen lernen durfte. Vegan heißt nicht sofort gesund. Gut, festzuhalten ist also das vegane Ernährung nur dann gesund ist wenn man auch dort auf Fertigprodukte größtenteils verzichtet. Was in meinem Fall heißt 30 Tage auf Lieferdienste, Restaurants und Kantinen zu verzichten und alles was man esse möchte wohl dann auch selber zubereiten muss. All das bewegte mich in den ersten paar Sekunden nach dem ich erfahren habe das meine Frau das für dieses Jahr wieder plant. Mit einem gönnerhafen "Gut Schatz, für dich ertrage ich das wieder 30 Tage lang." versuchte ich meiner Aufgabe als guter Ehemann nachzukommen. Doch mit ihrer Antwort hatte ich nicht gerechnet. "Schön Schatz, aber dieses Jahr machen wir das etwas anders." In meinen Gedanken gab es schon ein mal die Woche einen Pausentag mit Rumpsteak, Curryhuhn oder wenigstens eine Pizza vom Lieferdienst. Ich sah mich schon in der Küche umgeben von Bergen an Gemüse von den letzten 6 veganen Tagen um am 7. meinen Schweinebraten in den Ofen schieben denn selbst Gott pausierte doch am 7. Tag. Ich hoffe mein Gejammer letztes Jahr hätte Früchte getragen und wird dieses Jahr die eine oder andere Ausnahme definiert. Doch es sollte alles anders kommen. "Dieses Jahr nehmen wir 'Vegan for Youth - Die 60 Tage Attila Hildmann Triät' als Basis." Da war er wieder. Attila Hildmann. Der Mensch der schon letztes Jahr mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat. Der Mann der mit Tipps und Tricks zum Garen von Gemüse seinen Porsche finanziert hat. Der Mann der das komplette letzte Jahr in jedem Fernsehsender und in jeder Kochsendung den Menschen erzählt hat das veganes Leben einfach, unkompliziert, lecker und gesund ist, wie Fit man ohne Fleisch und Käse werden kann und wie toll sich die Haut nach nur ein paar Tagen mit Sellerie und Rote Beet anfühlt. Dieser Mann sagt nun auch noch das es besser wäre das ganze 60 Tage zu machen anstatt 30. Doppelt so lange ohne meine geliebte Pizza, doppelt so lange ohne ein Käsebrot mit Senf und doppelt so hohe Abwaschberge? Zwei Dinge wurden mir schlagartig klar. Das nächste Mal wenn ich meiner Frau etwas zusage werde ich mir vorher alle Bedingungen schriftlichen gaben lassen. Außerdem brauche ich ganz dringend einen Geschirrspüler.